Reiten in der neuen  Zeit

Reiten wir in einer neuen Zeit? Irgendwie schon, denn die Zeit vergeht schneller als früher, und das liegt nicht am Älterwerden, sondern an unserem Umfeld. Vielleicht dreht sich die Erde ja schneller?
Früher war man mit dem Pferd anders verbunden als heute. Wir brauchen sie nicht mehr, um von A nach B zu kommen. Wir bestellen nicht mehr unsere Äcker mit ihnen. Wir kämpfen nicht mehr zu Pferde. All diese Arbeiten erledigen jetzt Maschinen. Warum brauchen wir sie immer noch?
Sie geben uns wieder, was wir fast verloren haben. Empathie, Respekt, Geduld, Freude, Kraft, Ehrlichkeit, Sicherheit und Liebe. All das finden wir in ihnen wieder. Der Umgang mit ihnen lässt uns eintauchen in eine andere Welt, fernab von Politik und Wirtschaft. Hinein in Selbstbestimmung, Freiheit und Annahme. Wir brauchen Pferde heute mehr denn je, um uns nicht zu verlieren. Sie entschleunigen uns und bringen uns zum Denken. Sie nehmen uns an und lehnen uns ab, ganz ohne Wertung, einfach im hier und jetzt. Das erdet und bringt uns zu uns selbst.
Wir sind human beings und nicht human doings!

Wir verbringen unbewusst jeden Tag damit, Sachen zu tun, die wir nicht wollen, um dann Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen. Ein Stück weit helfen Pferde uns dabei, das zu erkennen.

Sie sind nicht nur Reittiere. Sie sind nicht dafür gemacht, aber tun es mit Freude – wenn sie gut vorbereitet sind. Das erkennen immer mehr Menschen und hinterfragen Reaktionen ihres Pferdes genauer – denn manche sind Hilferufe nach Erklärungen, weil immer noch nach dem Herrscherprinzip mit ihnen gearbeitet wird. Ihr Fluchtinstinkt wird benutzt und mit Angst werden sie regiert. Kommt das nicht bekannt vor? Wenn nicht, dann mal kurz innehalten und nachdenken.

In der heutigen Zeit überdenken immer mehr Menschen ihr Handeln und stellen fest, dass die Schönheitsideale der Dressur und des Sports im Allgemeinen für sie nicht mehr zutreffen. Wettkampf ist nichts Schlechtes, wenn alle die gleichen Voraussetzungen mitbringen und auf deren Einhalt auch geachtet wird. Die „Ausbildung“ sollte der „Weiterbildung“ weichen, denn Ausbildung bedeutet aus, fertig, Schluss. Wir entwickeln uns weiter, und das Pferd im Zusammensein mit uns ebenfalls. Es ist nicht falsch, sich mit dem Pferd zu beschäftigen und es nicht nur zu reiten. Spazierengehen, Bodenarbeit, Freiarbeit, Handarbeit, Lange Zügelarbeit, Horsemanship, Stangenarbeit, Longenarbeit sind zwar alles Arbeiten und hören sich anstrengend an, aber sie sind ein richtiger Trend geworden, und das in einem sehr kurzen Zeitraum. Es gilt, das Pferd erst kennen zu lernen, bevor man sich draufsetzt. Respektvoller Umgang ohne aggressiven Druck rückt in den Fokus. Menschen wollen mit ihrem Pferd lernen und es nicht in kurzer Zeit zum Reiten nutzbar machen (lassen).

All das freut mich sehr, denn ich verbringe fast mein ganzes Leben damit, Mensch und Pferd zusammen zu bringen. Es ist schön, Menschen auf ihre Pferde vorzubereiten. Ihnen das Hinsehen wieder nahe zu bringen. Ruhe zu geben und Verständnis zu fördern. Durch den Wald MIT dem Pferd zu Reiten oder zu gehen, im Viereck zusammen zu arbeiten, mit Liebe zu leiten und dem Fluchttier Sicherheit zu geben, das bringt Freude und Zufriedenheit.

In diesen Zusammenhang passt der sogenannte Sport nicht mehr, denn egal wie eine neue Art in dieser Sparte aussieht, sie fördert das Ego und drängt das Bauchgefühl nach kurzer Zeit ins Abseits, um dem Kommerz zu dienen.

Aktivieren und motivieren statt Treiben – das ist Reiten in der neue Zeit! Ich bringe euch nahe, was ihr vergessen habt und zeige euch das, was ihr wissen wollt. Enjoy life, do it The Easy Way!

Wie bringe ich Mensch und Pferd zusammen? Mein Weg führte mich durch viele Lager der Reiterei. Ich hatte Einblicke in verschiedenen Ländern in die verschiedensten Reitweisen und ging auch vielen eine Zeit lang nach. Eines war in allen Sparten gleich: Sie mussten kommerziell erfolgreich sein. Das Pferd blieb früher oder später dabei auf der Strecke. Sie wurden nicht wegen ihrer Selbst ausgewählt, sondern nach ihrem Nutzen. Das hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Menschen werden sogar immer mehr von ihrem Pferd ausgesucht. Viele kennen das vielleicht, da fährt man in den Urlaub nach Spanien und plötzlich kommt man mit einem Pferd nach Hause. Man liest eine Anzeige eines neuen Zuchtbetriebes, will „nur mal gucken“ fahren und schon hat man ein Jungpferd im Schlepptau.

Die Menschen berichten mir von ihren kuriosen Wegen zu ihrem Pferd. Das gilt es zu berücksichtigen, denn das ist wichtig bei der Hilfe der Weiterbildung von beiden.

Ich arbeite mit drei wichtigen Säulen: Vertrauen, Gleichgewicht und Gleichklang. Aktivieren und Motivieren statt Treiben. Das beschreibt den Weg zu einer harmonischen Einheit nach The Easy Way.

Die Wege sehen alle unterschiedlich aus und sind vielfältig. Mit Halblatten oder Stangen aktivierende Formen legen (Haus vom Nikolaus HvN), um Pylonen die Schultern absichern oder gymnastizierende Abläufe gestalten. Es wird nicht mehr mit „normalen“ Hufschlagfiguren gelangweilt, sondern kreativ kombiniert, je nach Können von Mensch und Pferd. Bodenarbeit und die unterschiedlichsten Formen von Hilfestellungen am Pferd runden The Easy Way ab. Das Wort Arbeit könnte völlig neu definiert werden, denn wenn etwas Spaß macht, ist es keine Arbeit mehr. Es wird für sich und sein Pferd „gespaßt“. Nichts motiviert so sehr wie Spaß und Freude. Kunst und Können weicht dem Kommerz und quälende Ausbildungsmethoden verlieren ihren Nährboden. Alte Werte werden neu entdeckt und Leistung wird zu Wertschätzung.

 

Regina Johannsen

 

 

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